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January 6, 2015 Published by Categorised in:

Von Anstand und Moral

Soziale Netzwerke haben den Vorteil, dass sie Einblicke in die Kinderstube mancher Zeitgenossen geben. Der Wiler Stadtparlamentarier und SVP-Politiker Mario Schmitt hat offensichtlich einmal mehr vergessen, dass soziale Netzwerke nicht das eigene Wohnzimmer sind – sie sind öffentlich.

Eine Aussage, welche die Ausrottung einer Weltreligion fordert, sollte einem jedoch auch in der heimischen Küche nicht über die Lippen kommen. Von einem Politiker muss man erwarten können, dass er fähig ist zwischen IS-Extremisten und den weit über 90 Prozent gemäßigten Gläubigen zu unterscheiden.

Wer gegen eine ganze Religion hetzt, hat meiner Meinung nach als Politiker versagt. Es sei denn er wolle eine Klientel die ähnliche Werte vertritt. Und was, wenn genau dies der Fall ist? Vielleicht ist der SVP-Politiker auch nur ein Opfer seiner Zeit. Ein Mensch der Sündenböcke sucht. Denn Sündenböcke werden immer dann gesucht, wenn Menschen verunsichert sind.

Wie beim Pegida-Verein geht es wohl darum, ein Feindbild zu pflegen – unabhängig davon ob dieses überhaupt existiert. Leipzig hat übrigens laut Statistik einen muslimischen Bevölkerungsanteil von 0,1 Prozent. Jetzt könnte man natürlich einwenden, dass der Anteil der muslimischen Bevölkerung in der Schweiz höher liegt. Stimmt! Diese enthaupten jedoch Niemanden und haben keinen Bezug zum Fanatismus.

Wer also behauptet, er hätte einen Schweizer Stammbaum der bis auf Wilhelm Tell zurückführt, dem empfehle ich einen Blick in die Geschichtsbücher. Menschen mit solchem Gedankengut suchen sich neben religiösen Gruppen meist noch weitere Feindbilder. Die Geschichte zeigt, dass auch Autoren, Maler, Komponisten und andere Kunstschaffende ohne Mühe zum Feindbild stilisiert werden können. Dasselbe gilt für politische Gegner und ethische Minderheiten.

Doch wie lässt sich dieses Gedankengut bekämpfen? Da meistens das Unbekannte Angst macht, heißt das Zauberwort Begegnung – vom Quartierfest über den Schulunterricht bis hin zum Spezialitätenrestaurant. Jedoch beschränkt sich das Problem nicht nur auf Fremdenfeindlichkeit. Wir als Politiker müssen herausfinden, warum und wofür die Menschen Sündenböcke suchen. Was ängstigt die Menschen in der Schweiz im Jahre 2015? Wenn wir auf diese Frage eine Antwort finden, dann haben wir auch das notwendige Rüstzeug gegen jene, die mit dem Feuer spielen und versuchen Häuser in Brand zu setzen.

 

Bildquelle: S. Hofschläger pixelio.de