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June 24, 2015 Published by Categorised in:

Schweizer Mietverband startet Volksinitiative

Hintergrund der Initiative des Schweizer Mieterverbandes (SMV) ist die Mietpreispolitik. Nicht nur die hohen Mieten in der Schweiz sind ein Problem. Während manche Länder einen Eigenheimanteil von über 60 Prozent aufweisen, sind es in der Schweiz nur rund 37 Prozent. Daran ändern auch tiefe Hypothekenzinsen nichts. Warum? Weil die Preise für Häuser und Wohnungen überdurchschnittlich hoch sind. Deshalb forderte der Schweizer Mieterverband an seiner Generalversammlung in Bern eine Initiative für 10 Prozent Neubauten von gemeinnützigen Wohnbauträgern.

Die zwei teuersten europäischen Länder zum Leben sind Norwegen mit +59 Prozent und die Schweiz mit +58. Im unteren Bereich liegt Österreich mit 5,8 und Deutschland mit 1,8. Grundlage für diese Prozentpunkte sind 27 EU Länder als Basis 0. Viel billiger als in Deutschland lebt es sich zum Beispiel in Portugal -13, in Albanien -50 und in der Tschechischen Republik -25. Die Schweiz liegt also mehr als die Hälfte über dem EU-Durchschnitt.

Wenn wir die Mieten vergleichen erhalten wir exakt das gleiche Bild. In der Wiener Innenstadt kostet eine modern sanierte Einzimmerwohnung mit 40 m² Wohnraum in einem schicken Altbau 650 Euro, in Berlin 450 Euro und in Zürich satte 1 350 Franken. Allerdings sind die Bauvorschriften in Deutschland oder Wien längst nicht so streng wie in der Schweiz. Dies liegt zum Teil an der geografischen Lage der Schweiz – die Schweiz ist ein Erdbebengebiet und Stahlträger in Gebäuden sind daher Pflicht. Daneben gibt es allerdings auch viel Unsinniges, wie die Luftschutzkeller. Diese Manie kostet richtig viel Geld.

Es gibt moderne Fertighausbauweisen, mit welchen man stabile mehrstöckige Gebäude errichten kann. In Moskau oder in Berlin sind viele Häuser mit der Fertigbauweise gebaut worden. Dabei gibt es Fertighäuser mit 22 Stockwerken, welche innerhalb 7 bis 8 Monaten hochgezogen wurden. Natürlich kommen solche Hochhäuser für die Schweiz nicht in Frage. Aber Fertighäuser mit drei Stockwerken für einkommensschwache Familien wären sicher ein Gedanke wert.

Es muss nicht überall teuer sein! 10 Prozent aller inskünftigen Wohnhäuser sollen genossenschaftliche Bauten sein. Das Problem dabei ist, dass dies zu lange dauert – So wird sich die Situation voraussichtlich erst in 10 Jahren etwas erleichtert haben. Zuerst muss die Volksinitiative durch, danach muss eventuell der Bürger noch abstimmen, dann muss es der Gesetzgeber umsetzen und dann wird es seine Zeit brauchen bis das das neue Gesetz flächendeckend Anwendung findet.

10 Prozent ist gering, man hätte gerne mehr – 15 Prozent und vor allem schneller. Noch besser wäre, wenn die Gemeinden aktiv werden und erst gar nicht auf den Gesetzgeber warten! Bezahlbarer Wohnraum gehört meiner Meinung nach zur Menschenwürde und diese gehört zu den Menschenrechten.

Ab September kann man seine Unterschrift unter die neue Volksinitiative setzen.

Quelle: SMV

Bildquellenangabe: birgitH / pixelio.de