Pegida Demo
January 3, 2015 Published by Categorised in:

Pegida: Nicht nur ein deutsches Problem

Analyse einiger Techniken der neuen europäischen Rechten.

Was heißt überhaupt Pegida? Pegida steht für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Das erinnert doch irgendwie an die Kreuzzüge des Mittelalters. Nur sollte damals das Abendland bis vor die Tore Jerusalems gerettet werden. In Wirklichkeit stand dahinter jedoch – wie immer bei Kriegen – der Wunsch nach Landnahme und Raub. Auch wenn man die Bevölkerung gerne glauben lässt, dass andere Beweggründe dahinter stecken würden, treibt Macht- und Geldgier ausnahmslos jeden Krieg an. Die Geschichtsbücher sind voll von betrogenen Menschen, welche in unnötigen Kriegen zu Tode gekommen sind.
100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg marschieren nun Pegida-Demonstranten durch deutsche Städte, und dies ironischerweise überwiegend durch Städte mit geringem Ausländeranteil.
 Nichtsdestotrotz haben sich die Pegida-Anhänger den Schutz der „europäischen Werte des Abendlandes” zum Auftrag gemacht.

Europäische Werte

Der Grundstein für die europäischen Werte ist sicherlich durch die Französische Revolution gelegt worden: Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit. Philosophen wie Voltaire und Rousseau standen Paten für die Idee, dass jeder Mensch frei sei, die gleichen Rechte besitze und man brüderlich miteinander umgehen sollte. Dies sind die tatsächlichen Werte des neuzeitlichen Europas! Das Problem stellt sich nun darin, dass die wenigsten der Pegida-Demonstranten jemals Voltaire oder Rousseau gelesen haben dürften. Von diesen schützenswerten europäischen Werten liegen die Forderungen der Pegida-Demonstranten jedenfalls weit entfernt
. Pegida ist ein gutes Beispiel dafür, dass über Massenmedien ein Feindbild und ein Bedrohungsszenario entworfen werden kann, ohne dass ein Feind in dieser Form überhaupt existiert. Das Pegida-Phänomen zeigt auf, wie einfach man mit einer Mischung aus falschen Information und geschürten Ängsten Massen mobilisieren und fanatisieren kann.

Konkret führte dies unlängst dazu, dass zwischen 7 500 und 15 000 Pegida-Anhänger durch Leipzig und Dresden marschierten. Beide Städte gehören zum Bundesland Sachsen – das Bundesland mit dem geringen Ausländeranteil. Laut der offiziellen Homepage von Sachsen, auf der alle Personen mit Migrationshintergrund erfasst sind, liegt der Ausländeranteil bei rund 5 Prozent (per 31.12.2012 Quelle: Bundesland Sachsen). Dabei wird nicht angegeben, ob es sich dabei um Amerikaner, Schweizer, Flüchtlinge aus Syrien, Russlanddeutsche oder Wirtschaftsflüchtlinge handelt.

Szenefiguren und Medien

Als Initiator der Pegida-Organisation gilt Lutz Bachmann. Dieser ist durch die Begehung verschiedener Straftaten mehrfach vorbestraft und eindeutig fremdenfeindlich. Daran änderte offensichtlich auch sein Aufenthalt in Südafrika nichts, wo er zwei Jahre lang unter falschem Namen gelebt hat, und sich damit der deutschen Justiz zu entziehen versucht hatte. Eine weitere Szenenfigur ist Felix Menzel, welcher als Publizist seit Jugendtagen dem rechten Spektrum zuzuordnen ist.

Ein Medium der Neuen Rechten ist „Junge Freiheit“, eine überregionale deutsche Wochenzeitung mit eindeutig brauner Ausrichtung. „Blaue Narzisse“ ist ein Blatt, das ursprünglich eine Chemnitzer Schülerzeitung war und sich gerne als konservative Jugendzeitung ausgibt. Zu den Hauptthemen dieser Zeitungen gehört stets die Warnung vor Überfremdung. Es wäre ein Leichtes hier noch eine Menge anderer Zeitungen aufzuführen, welche von der Politikwissenschaft als zur Neuen Rechten gehörend betrachtet werden. Doch woher kommt dieser Aufwind der Neuen Rechten?

Medien schüren Angst vor Salafismus

Der Salafismus bekommt mit seinen rund 6 300 Anhängern in Deutschland eine Medienplattform, die in keiner Relation zur Anzahl seiner Anhänger steht. Dabei ist schon der Begriff Salafisten etwas irreführend, da es unterschiedliche Strömungen unter den Anhängern gibt. Der Begriff muslimische Neofundamentalisten wäre meiner Meinung nach bezeichnender. Gemäß dem deutschen Verfassungsschutz sollen 100 bis 150 Anhänger der Salafisten grundsätzlich gewaltbereit sein.

Wir sind also gleich mit mehreren Phänomenen konfrontiert. Einerseits meinen Einwohner von Bundesländern mit geringem Ausländeranteil, die Werte des Abendlandes retten zu müssen. Andererseits schüren Medien durch reißerische Aufmachungen Ängste vor dem neuen Feindbild Islam. An vorderster Front tragen natürlich die Boulevardmedien ihren Teil dazu bei.

Gibt man bei Google die Stichworte Salafisten und Bild ein, findet man wahre Perlen journalistischer Berichterstattung. Beispiele gefällig? „Salafisten unterwandern Schule in Hamburg“ oder „die Wahrheit über die Koranverteiler“ usw. Dabei geht nicht nur jegliche Objektivität verloren sondern es wird auch an keiner Stelle darauf hingewiesen, dass es sich bei fundamentalen Gruppierungen stets um Randgruppen, und somit Minderheiten, handelt.

Fundamentalisten und Radikale

Radikale und Fundamentalisten kennt man in allen Religionen, sowohl im Christentum als auch im Judentum oder dem Islam. Radikal Gesinnte zeichnen sich meist durch ein gehöriges Maß an Aggression aus. Da bilden die Sprecher der rechtspopulistischen Demonstrationen keine Ausnahme. So wurde unlängst ein holländischer Neonazi nach Köln eingeladen, der ebenfalls auf verschiedenen Hogesa, ProPatria und Pegida-Demonstrationen als Redner aufgetreten ist. Hier zeigt sich auch, dass sich die rechtspopulistische Szene in Europa mittlerweile erschreckend gut vernetzt hat. (Quelle: Facebook Pegida#watch )

Eine Lösung wäre es aufzuklären, dass die islamischen Fundamentalisten eine winzige Minderheit darstellen und unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stehen. Sie sind bei der Mehrheit der Muslime äußerst unbeliebt und entsprechen theoretisch einer Sekte. Möglicherweise wäre es eine Lösung, den Salafismus als extremistische Sekte zu verbieten. Damit hätte die Justiz eine Handhabe ohne die Religionsfreiheit der Muslime zu behindern.
 Politiker, Medien und Schulen sollten sich diese Aufklärung zur Aufgabe nehmen!

Die Neue Rechte ist längst nicht mehr eine Gruppe von Stammtischbrüdern sondern europaweit vernetzt. Ihre Drahtzieher agieren und manipulieren durchaus geschickt mit Feinbildern, die ihnen direkt von den Mainstreammedien geliefert werden. Nur wer weiß, wie die Neue Rechte vorgeht, ist einigermaßen von ihrem braunen Gedankengut geschützt.

FB Gruppe mit vielen Infos zu den Initiatoren gegen Pegida