Pegida in der Schweiz
January 11, 2015 Published by Categorised in:

Pegida-Ableger in der Schweiz!

Wehret den Anfängen! Was wir bereits letzte Woche befürchtet haben ist nun eingetreten: In der Schweiz wurde ein Pegida-Ableger gegründet.

Ausgerechnet in Sachsen, dem Bundesland mit einem muslimischen Bürgeranteil von 0,1 Prozent, sind die Pegida erfolgreich. Mit Unterstützung der SVP gibt es nun einen Schweizer Ableger.

48 Stunden nach dem Terroranschlag auf „Charlie Hebdo“ in Paris gründete eine Gruppe von radikalen Islamgegnern den Verein Pegida Schweiz in Zürich. Die Pegida-Anhänger wissen das tragische Ereignis perfekt für ihre Zwecke zu nutzen und ihr Ziel, eine „erste Demo gegen den Islam in der Schweiz“ durchzuführen, steht bereits.

Haben diese „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auch nur den Funken einer Ahnung, was die Werte des Abendlandes sind? Haben diese Wutbürger jemals Platon, Spinoza, Hegel, Voltaire, Rousseau, Kant, Schopenhauer, Marx oder Kierkegaard gelesen? Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit! Das sind abendländische Werte!

Auf ihrer Facebook-Seite schreiben die Schweizer Pegida-Anhänger, dass sie die „totalitäre Ideologie des falschen Propheten Mohammed ablehnen“ würden. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es seit der Entstehung des Islams wohl kein negatives Urteil gegeben hat, das der Westen nicht über Mohammed gefällt hatte. Dies ist keinesfalls ein neues Phänomen. Nach der Aufklärung schien sich jedoch eine differenziertere Betrachtungsweise durchzusetzen. Unter anderen war Goethe ein großer Bewunderer Mohammads und soll vom reinen „Eingottglauben“ fasziniert gewesen sein.

Die aufgeklärte Auseinandersetzung mit dem Islam im Westen fand am 11. September 2001 ein abruptes Ende. In der Terrorismus-Debatte und dem vermeintlichen „Kampf der Kulturen“ wurde der Islam erneut zum Feindbild stilisiert. Negative Urteile über den Islam hat es in der Geschichte viele gegeben. Neu sind jedoch die Vorwürfe, dass der Islam intolerant und antisemitisch sei. Doch woher stammen diese?

Den selbsternannten Islamhassern der Pegida und SVP scheint es nicht gelungen zu sein, zwischen dem Islam und dem radikalen Fundamentalismus zu unterscheiden. Die meisten Migranten aus muslimischen Ländern stammen in erster Linie aus einer säkularen Gesellschaft. Die Anhänger einer Weltreligion wegen einer Gruppe gewaltbereiter Wahnsinniger zu verurteilen ist eine sehr unreflektierte Reaktion.

Wie gefährlich die Pegida-Strömung ist kann man in ihren hasserfüllten, rechtspopulistischen Kommentaren in den sozialen Netzwerken oder ihren unhaltbaren Forderungen sehen. Die Nachahmer der deutschen Pegida-Bewegung wollen außerdem ihren Protest in der Schweiz auch gegen linke Kreise und die Regierung ausweiten.

Wir schreiben nun das Jahr 2015. In diesem historisch denkwürdigen Jahr – 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges – sollten wir uns auf unsere gemeinsame Geschichte besinnen. 70 Jahre sollten als Mahnmal stehen – gegen Fremdenhass, gegen Antisemitismus und Islamophobie und für ein friedliches Miteinander.

Quellen: Tagesanzeiger, Baz, Fiedler: Mohammed und die abendländische Kritik, Bildquelle: www.derbund.ch