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April 23, 2015 Published by Categorised in:

Die SBB – Wie der Nationalrat die Weichen stellte

Bis im Jahre 1848 die Schweizer Bundesverfassung angenommen wurde, sind alle Versuche, eine vernünftige Eisenbahnstrecke zu errichten, gescheitert. Die politische Zersplitterung des Staatenbundes hatte eine Einigungen unmöglich gemacht. Im September 1849 setzten 14 Nationalräte eine Eingabe an den Bundesrat, für die Schaffung eines bundesweiten Eisenbahnnetzes, auf. Über zwei Jahre dauerte es, bis der Nationalrat abstimmte. Am 8. Juli 1852 musste der damalige Nationalrat über zwei sich konkurrierende Eisenbahngesetze abstimmen. Das eine Gesetz behandelte die Staatsbahn, das andere eine private Bahn. 69 Räte stimmten für den Bau durch private Bauherren, und nur 22 Räte für den Bau einer Eisenbahn durch den Bund.

Wenige Tage später bestätigte der Ständerat den Entscheid des Nationalrates. Private Unternehmen sollten also die Bahn bauen und unterhalten. Die Konzessionen dafür wurden von den Kantonen vergeben.

Die darauf folgende “Privatbahnwelle” war geprägt von Pleiten, Fusionen und Neugründungen. Oft konnten sich die einzelnen Privatbahnen untereinander nicht über Streckenführungen einigen. Zum Beispiel hatte die im Jahre 1890 gegründete, bereits halbstaatliche Jura-Simplon-Bahn in 35 Jahren rund 20 Vorgängergesellschaften. Einem, als Schweizer Nationalbahn gegründeten, Unternehmen, hinter dem eine Partei namens Winterthurer Demokraten stand, war ebenfalls kein Glück beschieden. Gegründet 1870 sollte ein Bahnnetz vom Bodensee bis zum Genfersee gebaut werden. Im Jahre 1878 wurde die Gesellschaft zwangsliquidiert und hinterließ hoch verschuldete Gemeinden entlang der Streckenlegung. Manche dieser Gemeinden bezahlten bis weit in das 20. Jahrhundert hinein noch für diese Strecke ab. Winterthur beglich die letzte Rate dieser Idee im Jahre 1954.

Im Jahre 1872 wurde den Kantonen die Hoheit über die Konzessionen abgesprochen und dem Bund übergeben. Nun entschieden nicht mehr die Kantone darüber, wer warum und wieso ein Eisenbahnnetz bauen und unterhalten durfte.

Die erste elektrische Eisenbahn wurde 1888 in Betrieb genommen. Es war die Tramway Vevey-Montreux-Chillon, die bis 1958 mit 500 Volt betrieben wurde.

Im Februar 1898 stimmte das Volk schliesslich für eine Bundesbahn auf Rechnung des Bundes. Dies war die Geburtsstunde der SBB. Private Bahnen die Streckenhoheiten innehatten wurden ab 1902 zwangsverstaatlicht und in die SBB überführt. Als Letztes wurde 1909 die Gotthardbahn übernommen. Kleinere Privatbahnen behielten Ihre Eigentümer, meistens Kantone oder Gemeinden.

Heute hat die Schweiz eines der dichtesten Eisenbahnnetze der Welt. Vor ihr liegt nur Monaco und der Vatikanstaat. Was im Jahre 1849 von einer kleinen Gruppe von Nationalräten angeleiert worden ist, wurde zu einer Erfolgsgeschichte und hinterlässt ihre Spuren bis heute. Die Namen der Nationalräte kennen wir nicht mehr, die SBB jedoch nutzen die meisten von uns.