konigreich-der-himmel-2
September 9, 2016 Published by Categorised in:

Muslimische Schüler unter Generalverdacht

Vergangene Woche hat der Wiler SVP-Stadtparlamentarier Nathanael Trüb eine Interpellation eingereicht, in welcher die systematische Früherkennung von „Jihadisten“ an Wiler Schulen gefordert wird. Der darin erwähnte Radikalisierungs-Profiltest (RaProf) sei „aufgrund der allgemeinen Lage in der Schweiz und in Europa immer wichtiger“ um der islamistischen Radikalisierung entgegenzuwirken. Mehrfach ist die Rede von der „Wichtigkeit/Dringlichkeit“ dieses „brisanten Themas“ in besagter Interpellation.

Nüchtern betrachtet ist es nicht schwierig, die Panikmacherei hinter dieser Interpellation zu erkennen. In der Schweiz leben etwa 450 000 Muslime, von denen jedoch nur 15% praktizierend sind. Die Zahl der Muslime, welche extremistischen Formen des Islams angehören ist so verschwindend gering, dass man an ihrer Stelle eher den Radikalisierungs- Profiltest (RaProf) im Bezug auf Rechtsextremismus vorgeschlagen hätte. Ausserdem beinhaltet der besagte Profiltest, welcher von Lehrern oder Sozialarbeitern ausgefüllt wird, Fragen wie „Wird der Schwimm- oder Turnunterricht verwehrt?“ Auch wenn eine Gewaltpräventation jeglicher Art in den Wiler Schulen zu begrüssen ist, ist es gefährlich von Religiosität auf Extremismus zu schliessen. Somit werden muslimische Schüler automatisch unter Generalverdacht gestellt und geraten unter besondere Beobachtung von den Lehrpersonen. Zudem bin ich überzeugt, dass das Lehrpersonal an unseren Schulen auch ohne diesen Test merkt, wenn etwas mit ihren Schülern nicht in Ordnung ist, und demenstprechend das Gespräch mit Eltern oder anderen Bezugspersonen auf professionelle Art und Weise sucht.

Die Erfahrung aus dem Kanton Zürich zeigt, dass sich die Hälfte (!) aller durch diesen Test gemeldeten Fälle als unnötiger Verdacht erwiesen haben. Natürlich möchte ich, dass Wil eine sichere Stadt bleibt. Mit der Pauschalisierung gegen Muslime gefährden wir jedoch den sozialen Frieden. Dass es dem besagten Politiker weniger um die Sicherheit geht, sondern er nun auch gegen Muslime in den Wiler Schulen Stimmung machen will, beweist auch die zweite Interpellation, welche er am selben Tag eingereicht hat. Darin geht es darum, dass die christlichen Feste an den Wiler Schulen gestärkt werden sollen. Natürlich weil der Anteil Muslime in den Klassen zu gross sei. Ein richtiger Kreuzzug also.