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January 31, 2015 Published by Categorised in:

Islamophobie und billiger Populismus

Die Theologischen Fakultät der Universität Freiburg hat seit Beginn dieses Jahres ein Schweizer Zentrum für Islam und Gesellschaft. Das Zentrum soll sich mit der interreligiösen Auseinandersetzung und sozialethischen Fragen beschäftigen, und ein Doktoratsprogramm “islamisch-theologische Studien” in Bezug auf den Schweizer Kontext vorbereiten. Ausserdem soll im Bereich der Weiterbildung mit Förderung des Staatssekretariates für Migration eine schweizweite Bestandsaufnahme und Bedarfserhebung durchgeführt werden.

Der Begriff Theologie stammt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich übersetzt „die Lehre über Gott“. Dies beschränkt sich jedoch nicht nur auf den christlichen Gott, sondern umfasst alle Gotteslehren. Erstmals begegnet man dem Begriff Theologie bei Platon. Bei „Platons Staat“ geht es dabei um die Frage „nach der Wahrheit und Vernunft fern ab von Mythologie“. Zur Zeit Platons (428 – 348 v.Chr.) ging es natürlich mitnichten um das Christentum – diese Glaubensrichtung existierte, wie auch der Islam, zu Platons Zeiten noch nicht.

Die Freiburger SVP will das Zentrum für Islam und Gesellschaft schliessen lassen und hat eine entsprechende Initiative lanciert. Offensichtlich scheint der Zentralvorstand der Kantonalpartei, welcher die Lancierung der Volksinitiative einstimmig beschlossen hatte, nicht zu wissen, dass Forschung und Lehre in der Schweiz frei sind. Die Politik kann einer Universität nicht reinreden.  Das ist auch gut so – sonst würden wir vermutlich noch im Mittelalter leben.

Die Arbeitsfelder des Zentrums Islam und Gesellschaft sind Forschung, Lehre und Weiterbildung. Trotzdem behauptet die SVP, dass man dort “früher oder später Imame ausbilden“ wolle. Im Institut gibt es jedoch keine Koranschule, welche für eine solche Ausbildung abgeschlossen werden müsste. Und selbst wenn – ist es nicht viel sinnvoller wenn Imame, die hier ihre Gemeinden leiten, in der Schweiz ausgebildet werden? Die Muslime in der Schweiz wollen keine Parallelgesellschaft bilden und lehnen importierte Ideen, welche oft rückständig sind, je länger je mehr ab.

Dass der Kampf gegen das Schweizer Zentrum für Islam und Gesellschaft, sowie alles andere was mit dem Islam zu tun hat, billiger Populismus ist, hat auch die Burka-Debatte gezeigt. Angesichts der verschwindend geringen Zahl an verhüllten Frauen in der Schweiz ist das Verbot als absolut sinnlos zu erachten. Jedoch scheinen der Partei trotz drohender Rezession keine anderen Themen einzufallen.

Der Populismus der SVP erfährt zurzeit einen medialen Höhepunkt – in Bern müssen sich Martin Baltisser und seine Stellvertreterin Silvia Bär für das Plakat zur Masseneinwanderungsinitiative verantworten. Dabei behauptet Martin Baltisser, dass es sich beim Satz „Albaner schlitzen Schweizer auf“ um einen Sachverhalt handle. So viel Ignoranz macht mich etwas fassungslos.

Natürlich gibt es kriminelle Ausländer – es gibt auch genügend kriminelle Schweizer. Zudem sollte man sich überlegen, was dieses Plakat in den Köpfen –  gerade von Kindern in der Schule –  anrichten kann. Man möchte sich gar nicht vorstellen, wie vielen Viertklässern plötzlich einfiel, Mitschüler der ersten oder zweiten Einwandergeneration mit blöden Sprüchen zu hänseln. Kinder plappern nach, was sie von Erwachsenen hören. Sie können noch nicht wissen, dass sie grausam und ungerecht sind.

Solange man jedoch für rassistische Sprüche nur Bußgelder bekommt, wird man damit fortfahren. Warum? Weil es billige PR ist – Fernsehwerbung kommt teurer als Bußgelder. Im Raum steht auch, das Abstimmungsergebnis der Masseneinwanderungsinitiative für ungültig zu erklären. Jedoch wird auch dies die SVP in Zukunft nicht vom Stammtischpopulismus abhalten.

So oder so, solche Initiativen sind kontraproduktiv. Wir müssen unsere Migranten integrieren und dafür braucht es den guten Willen beider Seiten. Ausgrenzung und Rassismus bewirken das Gegenteil von dem, was man erreichen sollte. Ein Weg zur erfolgreichen Integration führt immer über die Bildung – dies gilt ganz offensichtlich für beide Seiten.

Bildquelle: http://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/aktuell-keine-imam-ausbildung-am-zentrum-fuer-islam-in-freiburg