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April 8, 2015 Published by Categorised in:

Die Geschichte des Nationalrates

Bei der Gründung des Bundesstaates im Jahre 1848 bestand der Nationalrat aus 111 Mitgliedern. Die damalige Verfassung sah vor, dass pro 20 000 Einwohner ein gewähltes Mitglied im Nationalrat sitzen sollte. Erst 1963 wurde die Verfassung insofern überarbeitet, als dass man sich auf 200 Nationalräte einigte. Dabei hat jeder Kanton Anspruch auf mindestens einen Nationalratssitz. Für die Sitzverteilung pro Kanton wird die eidgenössische Volkszählung herangezogen. Entsprechend ihrem Ergebnis – der Einwohnerzahl inklusive der im Kanton wohnenden Ausländer – wird die Menge der Sitze pro Kanton festgelegt. Heute hat der Kanton Zürich mit 34 Sitzen die meisten Nationalräte. Dem Kanton St.Gallen stehen beispielsweise 12 Sitze zu.

Die Menge der Nationalräte hat nichts mit der Sitzverteilung entsprechend der politischen Zugehörigkeit, zu tun. Über diese Frage entscheidet letztlich der Wähler am Wahlsonntag. Wenn die Legislaturperiode von vier Jahren endet, kann sich auch jeweils die Menge der Sitze pro Partei, also der politischen Zugehörigkeit der Nationalräte, ändern.

Jeder Kanton bildet für die Nationalratswahlen automatisch einen Wahlkreis. Dabei kann jeder Bürger seine Stimme für soviel Nationalratskandidaten abgeben, wie seinem Kanton Sitze im Nationalrat zustehen. Ein Wähler in Zürich kann also seine Stimme für 34, ein St. Galler für 12, und ein Glarner für lediglich einen Nationalratskandidaten, abgeben.

Seit 1919 gilt in der Schweiz die Proporzwahl, mit der Ausnahme von Kantonen die nur einen Nationalrat nach Bern entsenden können. In diesen Kantonen gilt die Majoritätswahl. Kurz gesagt, wer am meisten Stimmen auf sich vereinigt, zieht in den Nationalrat ein.

Proporzwahl des Nationalrats

Für die Proporzwahl stellen in der Regel die politischen Parteien Listen auf, auf denen die Kandidaten verzeichnet sind. So erreicht man sogenannte Listen und Kandidatenstimmen. Auf der Liste dürfen maximal so viele Kandidaten stehen, wie der Kanton Nationalräte entsenden kann. Auf einer Liste können Parteien ihre Kandidaten doppelt aufführen. Wenn der Kanton viele Sitze zu vergeben hat, können die Parteien auch mehrere Listen einreichen. So können zusätzlich beispielsweise Frauen- oder Jugendlisten eingereicht werden. Darüber hinaus kann der Wähler einem Kandidaten maximal zweimal seine Stimme geben, sofern der Kanton mehr als einen Sitz im Nationalrat hat.

Bundesversammlung

Der Nationalrat bildet gemeinsam mit dem Ständerat die Bundesversammlung. Im Regelfall arbeitet die Bundesversammlung in vier Sessionen, welche jeweils drei Wochen dauern, und tagt jeweils während der Sitzungsperioden 2 bis 5mal pro Woche in Bern.

Die Frühjahrssession beginnt am ersten Montag im März, die Sommersession am ersten Montag im Juni, die Herbstsession am Montag nach dem dritten Sonntag im September und die Wintersession am letzten Montag im November.

In der Schweiz ist ein Nationalrat kein Berufspolitiker, wie zum Beispiel in Deutschland oder in Frankreich. In der Schweiz erhält ein Nationalrat eine Entschädigung und Spesen. So haben alle Nationalräte neben ihrem politischen Amt Berufe, denen sie nachgehen. Nationalrat zu sein ist ein Ehrenamt, welches ausschließlich im Interesse der Wähler ausgeführt werden sollte.

Bildquellenangabe: Kurt Brodbeck / pixelio.de