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February 6, 2015 Published by Categorised in:

Frankenstärke = Wirtschaftsschwäche?

Wirtschaftskrisen gehören zum normalen wirtschaftlichen Kreislauf. Die Wirtschaft nutzt diese um sich neu zu konsolidieren. Leider tut sie dies in der Regel zuerst immer über die Belegschaft – doch oft genug gäbe es auch andere Möglichkeiten einen Betrieb zu optimieren. Was man in den letzten Tagen an Ideen von Unternehmen für den Ausgleich des starken Frankens liest, reicht von „kreativ“ bis zu „Beschäftigtenausbeutung“. Manche davon verstossen ganz klar gegen das Arbeitsgesetz. Ein Beispiel dafür ist die Idee der Bezahlung von Grenzgängern in Euro.

„95 % der KMU im Bereich Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie haben ein Problem mit dem starken Franken und müssten Maßnahmen ergreifen“ meint der Branchenfachverband. Bei rund 70 % der Unternehmen stehen tiefere Löhne oder längere Arbeitszeiten im Raum. Nur 30 % scheinen also auf die Idee gekommen zu sein, die Arbeitsprozesse zu optimieren, statt bei den Mitarbeitern zu sparen. Bank Leu will 200 Angestellte einsparen. Dies obwohl praktisch alle Banken im Jahr 2014 Rekordgewinne erzielt haben. Diese Gewinne würden es ihnen durchaus erlauben, nicht sofort Stellen zu streichen, sondern andere Formen der administrativen Optimierung ins Auge zu fassen.

Die sanfteste Form des Stellenabbaus ist, wenn man Mitarbeiter, die kündigen oder in Rente gehen einfach nicht ersetzt. Dabei wird die Stammbelegschaft nicht angetastet. Manche Firmen nutzen die Frankenstärke jedoch als Druckmittel – denn wer Angst um seinen Arbeitsplatz hat, lässt sich mehr gefallen. Zur Not könnte man auch auf Kurzarbeit wechseln und dabei den Vorschlag der SP annehmen – die Angestellten sollen nicht einfach nach Hause, sondern in die Weiterbildung, geschickt werden. Dann wäre die Wirtschaftskrise eine echte Chance!

Die zu erwartende Wirtschaftsschwäche ist nicht nur ein Schweizer Problem. Seit dem Jahr 2000 hat die globale Verschuldung um mehr als das Doppelte zugenommen. Im Jahre 2000 betrug die weltweite Verschuldung 87 Billionen USD – im Jahre 2014 waren es bereits 199 Billionen USD. Die Staatsverschuldungen belaufen sich global auf 286 % der jährlichen Wirtschaftsleistungen. Mit einer Staatsverschuldung von 84 % des BIP liegt die Schweiz weltweit auf Platz 72, und somit im Mittelfeld.

Die EZB könnte die Staatsschulden der einzelnen europäischen Ländern durch das Auflegen von Eurobonds – und somit der Übernahme von Staatsschulden zum Beispiel von Griechenland oder Italien – koordinieren. Allerdings wehrt sich insbesondere Deutschland mit Händen und Füssen dagegen – denn Deutschland würde natürlich zu den Nettozahlern gehören.

Die Krise, welche die Schweiz zurzeit erlebt, ist keine rein hausgemachte Krise. Sie ist eine vorgezogene Krise, die insbesondere Europa, so oder so erwartet. Die Frage ist nur: War es sinnvoll die Krise in der Schweiz vorzuziehen? Wenn die Luft aus dem künstlichen Geldballon raus gelassen wird – und dies wird früher oder später passieren – dann wird die Schweizer Exportindustrie erneut unter einer Krise leiden. Dann aber wegen dem Einbruch der Exporte mangels Geld der Importländer.

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